Frauenärztin Dr. med. Rieke Hermann erklärt, wann die Periode nach einer Fehlgeburt zurückkehrt und du wieder schwanger werden kannst.

Wenn du diesen Artikel liest, bist du wahrscheinlich an einem Punkt nach einer Fehlgeburt, an dem du nach vorne schauen möchtest. Vielleicht noch zaghaft oder mit gemischten Gefühlen. Möglicherweise aber auch mit einer gewissen Ungeduld. Du fragst dich gleichzeitig, ob es okay ist, dass du schon wieder nach vorne schaust?

Wir von der MamAcademy sagen dir: Es ist mehr als okay.

Der Wunsch danach, wieder schwanger zu werden, bedeutet nicht, dass du den Verlust nicht ernst nimmst oder zu schnell darüber hinweggehst. Vielmehr zeigt er, dass du weiterhin einen Kinderwunsch hast und hoffst. Und Hoffnung nach einer Fehlgeburt ist etwas sehr Schönes…

Wann kommt die erste Periode nach einer Fehlgeburt?
Bin ich danach überhaupt noch fruchtbar?
Wann darf ich es wieder versuchen?
Was sagen die Statistiken?
Und was sagt mein Körper (und die Seele)?

Lass uns das gemeinsam einmal durchgehen und gemeinsam nach vorne blicken!

Was passiert nach der Fehlgeburt hormonell (und warum braucht das Zeit)?

Wir starten mit einem kurzen Blick auf das, was in deinem Körper gerade passiert denn das erklärt alles Weitere:

Während der Schwangerschaft hatte das Hormon hCG die Regie übernommen und dem Körper signalisiert: Schwangerschaft läuft, der Zyklus wird unterdrückt, bitte nichts ändern. Doch mit der Fehlgeburt fällt dieses Signal weg, jedoch nicht sofort. Das hCG verschwindet nicht von einer Stunde auf die andere, sondern baut sich über Tage bis Wochen ab. Das ist ganz davon abhängig, wie weit die Schwangerschaft bereits fortgeschritten war.

Erst wenn hCG auf null oder nahe null gesunken ist, kann der Körper wieder die normale Zyklussteuerung aufnehmen. Er schickt FSH (follikelstimulierendes Hormon) los und die Eierstöcke beginnen, wieder Follikel reifen zu lassen. Für viele überraschend: Der erste Eisprung nach der Fehlgeburt kann tatsächlich schon zwei bis drei Wochen danach stattfinden. Ganz wichtig: Noch bevor die erste Periode kommt. Das bedeutet demzufolge theoretisch: Du kannst bereits schwanger werden, bevor du weißt, dass dein Zyklus wieder aktiv ist.

„Ich sage meinen Patientinnen immer: Der erste Eisprung nach einer Fehlgeburt ist ein kleines biologisches Wunder. Der Körper hat verloren, und er rappelt sich wieder auf. Manchmal schneller, als wir denken.“  – Dr. med. Rieke Hermann

Wann kommt die erste Periode nach einer Fehlgeburt zurück?

In den meisten Fällen kehrt die Periode nach einer Fehlgeburt innerhalb von vier bis sechs Wochen zurück. Das ist der Zeitraum, den die meisten Frauen ihre Periode nach einer Fehlgeburt zurückbekommen haben. Aber: Es bedeutet natürlich nicht, dass es sich dabei um alle Frauen handelt.

Hebammen-Tipp: Manchmal lohnt sich der Blick in den „alten“ Zykluskalender. Bei erstaunlich vielen Frauen setzt der kluge weibliche Körper wieder genau dort an, wo er aufgehört hat.

Frühe Fehlgeburt (vor der 8. Woche)

Bei einer sehr frühen Fehlgeburt normalisiert sich der Zyklus oft schon nach vier bis fünf Wochen. Das hCG ist schnell abgebaut, die Hormonachse erholt sich zügig und der Körper ist oft erstaunlich schnell wieder auf Normalbetrieb. Manche Frauen sehen die erste Periode nach einer Fehlgeburt sogar schon nach drei Wochen wieder.

Spätere Fehlgeburt oder operative Behandlung

Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten war, desto länger braucht das hCG, um abzubauen. Dann kann es länger dauern, bis die erste Periode nach einer Fehlgeburt kommt. Sechs bis acht Wochen sind nach einer späteren Fehlgeburt oder nach einer Ausschabung (Curettage) völlig normal. Auch bis zu zehn Wochen sind nicht ungewöhnlich.

Warum die erste Periode nach einer Fehlgeburt anders aussehen kann

Sei darauf vorbereitet, dass die erste Periode nach einer Fehlgeburt nicht so aussieht wie du sie gewohnt bist. Sie kann stärker oder schwächer sein, länger oder kürzer andauern und Krämpfe können intensiver sein als sonst. Das ist völlig normal und kein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Der Körper räumt auf und startet neu. Erst ab dem zweiten, dritten Zyklus pendelt sich der Rhythmus in der Regel wieder ein.

Sei ebenfalls darauf vorbereitet, dass die erste Periode nach einer Fehlgeburt emotional sein kann. Manche Frauen berichten, dass sie beim Anblick der Blutung plötzlich weinen müssen. Manchmal aus Erleichterung und manchmal auch aus dem neuen Bewusstsein heraus, dass die alte Schwangerschaft wirklich weg ist. Manchmal sind es auch gemischte Gefühle. Das ist vollkommen berechtigt und du darfst ganz liebevoll  mit dir und diesen Emotionen umgehen.

Wann bin ich nach einer Fehlgeburt wieder fruchtbar?

Hier ist die Antwort, die viele beruhigt: In den meisten Fällen sehr schnell. Eine Fehlgeburt hinterlässt in der Mehrzahl der Fälle keine dauerhaften Schäden an Eileiter, Gebärmutter oder Eierstöcken. Dein Körper war schwanger, er hat das beendet und er ist grundsätzlich bereit, wieder schwanger zu werden.

Wenn Fruchtbarkeit bedeutet: Ist mein Körper prinzipiell in der Lage, wieder einen Eisprung zu haben? Dann lautet die Antwort: Ja, wahrscheinlich schon nach wenigen Wochen. Wenn Fruchtbarkeit jedoch bedeutet: Ist mein Körper im besten Zustand für eine neue Schwangerschaft? Dann wird die Antwort etwas nuancierter.

Was mit dem nächsten Datum nichts zu tun hat: Angst vor der nächsten Fehlgeburt

Fast jede Frau, die nach einer Fehlgeburt wieder schwanger wird, hat Angst. Die ersten Wochen der neuen Schwangerschaft sind oft alles andere als unbeschwert. Jeder Toilettengang wird zum Kontrollgang. Jedes Zwicken wird gescannt. Das ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine traumatische Erfahrung.

Was vielen hilft, sind frühe engmaschige Kontrollen bei deiner Frauenärztin, offene Kommunikation über die Angst und vielleicht auch – je nachdem, was du brauchst – psychologische Begleitung. Eine Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt ist nicht automatisch eine belastete Schwangerschaft, dennoch darfst du dich zusätzlich unterstützen lassen, wenn es dir hilft.

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Weitere Informationen

Wann sollte man nach einer Fehlgeburt wieder versuchen, schwanger zu werden?

Das ist die Frage, die ich am häufigsten bekomme. Früher wäre meine Antwort eine andere gewesen als heute. Denn die Medizin hat diesbezüglich tatsächlich in den letzten Jahren neue Erkenntnisse gewonnen.

Was die aktuelle Studienlage sagt

Früher lautete die Standardempfehlung: Wartet zwei bis drei Zyklen. Gibt dem Körper Zeit. Diese Empfehlung hatte jedoch weniger eine starke wissenschaftliche Basis als eine gewisse konservative Vorsicht.

Heute wissen wir mehr. Eine große Studie im British Medical Journal, die über 30.000 Schwangerschaften analysiert hat, kam zu einem überraschenden Ergebnis: Frauen, die innerhalb von sechs Monaten nach einer Fehlgeburt erneut schwanger wurden, hatten die besten Ergebnisse, also die höchsten Lebendgeburtenraten und das geringste Komplikationsrisiko. Das Warten auf drei Zyklen brachte keinen nachweisbaren Vorteil. Daraufhin haben Fachgesellschaften wie das Royal College of Obstetricians and Gynaecologists und die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin ihre Empfehlungen geändert: Es gibt keine verpflichtende Wartezeit mehr.

„Ich sage meinen Patientinnen heute: Wartet, bis die Blutung aufgehört hat und ihr euch körperlich stabil fühlt. Dann dürft ihr, wenn ihr wollt. Die Natur hat keinen Kalender.“  – Dr. med. Rieke Hermann

Was das für dich bedeutet

Medizinisch: Warte, bis die Blutung aufgehört hat. Lass beim Nachsorgetermin bestätigen, dass die Gebärmutter leer ist und das hCG auf null gesunken ist. Dann steht einem neuen Versuch körperlich nichts entgegen. Manche Ärztinnen empfehlen noch, einen Zyklus abzuwarten, um eine genaue Berechnung des nächsten Geburtstermins zu ermöglichen. Das kann sinnvoll sein, hat aber keine medizinische Notwendigkeit.

Praktisch: Du kannst sofort mit Folsäure beginnen. 400 bis 800 Mikrogramm täglich, wie vor jeder Schwangerschaft. Lass dazu deine Schilddrüse, dein Ferritin und dein Vitamin D kontrollieren, denn Nährstoffmangel nach einer Fehlgeburt ist häufig und kann den Aufbau der nächsten Schwangerschaft erschweren. Darüber hinaus kannst du damit beginnen, deinen Zyklus zu tracken: Basaltemperatur, Zervixschleim, Ovulationstest. So lernst du, wie sich dein Zyklus nach der Fehlgeburt wieder einpendelt und wann genau der erste Eisprung kommt.

Lies auch hier: Vitamine und Nährstoffe in der Kinderwunschzeit

Eine Ausnahme: Wann wirklich gewartet werden sollte

Bei den meisten Frauen und frühen Fehlgeburten gilt: Es gibt keine medizinische Notwendigkeit zu warten. Jedoch gibt es Ausnahmen, die wir nicht verschweigen wollen.

Nach einer Ausschabung: Warte, bis die Blutung vollständig aufgehört hat. Die Gebärmutter braucht hier etwas Zeit, um sich zu regenerieren.

Nach einer Spätfehlgeburt oder einem Spätabort (ab der 16. bis 20. Woche), bei der der Körper eine richtige Geburt durchgemacht hat: Hier empfehle ich meinen Patientinnen, dem Körper wirklich zwei bis drei Monate zu gönnen. Nicht weil die Studienlage es erzwingt, sondern weil das Gewebe, die Hormonsysteme und oft auch die Seele mehr Zeit brauchen.

Nach einer Behandlung mit Methotrexat (bei Eileiterschwangerschaften): Hier gilt eine Wartezeit von mindestens drei bis sechs Monaten, weil das Medikament die Folsäureverwertung beeinflusst und die Embryonalentwicklung stören kann. Das ist eine medizinische Notwendigkeit und demzufolge keine Vorsichtsmaßnahme auf Verdacht.

Darüber hinaus gibt es natürlich die seelische Bereitschaft. Die ist nicht weniger relevant als die körperliche.

Wann ist die Seele bereit – und muss sie überhaupt „bereit“ sein?

Katharina Charissé, Prä- und Postnatal-Yogalehrerin und Mama-Coach betont hier noch einmal, wie wichtig es ist, hier auf sein Bauchgefühl zu hören.

„Es gibt Frauen, die drei Wochen nach der Fehlgeburt sagen: Ich möchte es direkt wieder versuchen. Das Bedürfnis nach Schwangerschaft, nach Leben, nach Weitergehen ist so groß, dass es stärker ist als der Schmerz. Doch es gibt genauso Frauen, die sechs Monate oder ein Jahr später immer noch unsicher sind, weil der Verlust zu tief sitzt. Beide haben recht. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt nur deinen individuellen Weg und der muss sich für dich richtig anfühlen.“  – Katharina Charissé

Was wir bei unseren Teilnehmer:innen in der MamAcademy immer wieder beobachten: Das Bedürfnis, wieder „bereit“ zu sein, setzt sich manchmal sofort in Druck um. Wann bin ich bereit? Bin ich schon bereit? Bin ich noch nicht bereit? Und diese Fragen können zu einem inneren Kreisen werden, das sich nicht auflöst, weil es keine klare Antwort gibt.

Ihre Empfehlung, die wir beide teilen: Statt zu fragen, ob du bereit bist, frag, was du brauchst. Brauchst du noch Zeit mit dem, was war? Dann nimm sie. Brauchst du das Gefühl von Handlungsfähigkeit, dann kannst du anfangen zu tracken, wieder Folsäure nehmen oder einen Termin bei deiner Frauenärztin zur Beratung machen. Dann tue das. Beides ist richtig. Beides zeigt, dass du auf deinen Körper und deine Seele hörst.

„Eine Frau hat mal beschrieben: ‘Ich wurde nicht wieder bereit. Ich wurde einfach irgendwann mutiger.’ Das hat mir sehr gefallen.“  – Katharina Charissé

Was dein Körper jetzt braucht, um stark in die nächste Schwangerschaft zu starten

Unabhängig davon, wann du es wieder versuchst: Ein paar Dinge können dich und deinen Körper wirklich vorbereiten. Nicht als Pflichtprogramm, sondern als liebevolles Kümmern um dich und deinen Körper und das, was kommen darf:

Nährstoffe auffüllen

Schwangerschaft und Fehlgeburt belasten die Nährstoffreserven. Besonders Eisen, Folsäure, Vitamin D, Vitamin B12 und Zink solltest du nach einer Fehlgeburt wieder aufbauen. Ein Blutbild beim nächsten Termin gibt dir Klarheit, was dein Körper gerade wirklich braucht. Ferritin unter 80? Dann lass dich behandeln, bevor du eine neue Schwangerschaft angehst. Ein niedriger Eisenspeicher erhöht das Risiko für Erschöpfung in der Frühschwangerschaft erheblich.

Folsäure starten (sofort!)

Wenn du eine neue Schwangerschaft möchtest, fang jetzt mit Folsäure an. 400 bis 800 Mikrogramm täglich, am besten kombiniert mit aktivem Methylfolat. Wir haben das in unserem Folsäure-Artikel ausführlich erklärt, die Kurzversion: Je früher du anfängst, desto besser vorbereitet ist dein Körper für die entscheidenden ersten Schwangerschaftswochen, in denen sich alle lebenswichtigen Organe des Babys entwickeln.

Schilddrüse und Zyklus im Blick behalten

Eine unbehandelte Schilddrüsenunter- oder überfunktion erhöht das Fehlgeburtsrisiko. Wenn du deine Schilddrüse länger nicht kontrolliert hast: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt. TSH-Wert, fT3, fT4 – und bei Verdacht auf Hashimoto auch die Antikörper. Den nächsten Zyklus zu tracken – auch nur mit einer App und etwas Aufmerksamkeit – hilft dir, zu sehen, ob sich der Rhythmus wieder einpendelt und wann dein Eisprung stattfindet.

Zeit und Raum lassen

Das klingt abstrakt, ist es aber nicht. Tief schlafen. Gut essen. Dinge tun, die dir guttun. Spazierengehen, Yoga-Übungen, mit Freunden lachen. Der Körper erholt sich am besten in einem Umfeld, das nicht dauerhaft unter Hochspannung steht. Chronischer Stress erhöht Cortisol und senkt das Progesteron. Beides ist nicht ideal für einen neuen Schwangerschaftsversuch. Entspannung ist also im wahrsten Sinne medizinisch sinnvoll.

Was, wenn es wieder nicht klappt?

Das müssen wir kurz ansprechen, weil es auf dem Weg manchmal passiert. Die meisten Frauen, die eine Fehlgeburt hatten, werden danach eine erfolgreiche Schwangerschaft erleben. Die Statistik dazu ist ermutigend:

Nach einer Fehlgeburt liegt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen nächsten Schwangerschaft bei über 80 Prozent. Nach zwei Fehlgeburten immer noch bei etwa 75 Prozent. Das sind gute Zahlen, auch wenn sie sich in einem persönlichen Moment wie Mathematik anfühlen, die nichts mit dem eigenen Leben zu tun hat.

Wenn du drei oder mehr Fehlgeburten hattest, sollte eine weiterführende Diagnostik stattfinden. Wiederholte Fehlgeburten, auch habituelle Aborte genannt, sind selten, aber sie haben häufig eine abklärbare Ursachen: chromosomale Faktoren, Gerinnungsstörungen, Uterusfehlbildungen, Immunfaktoren, Schilddrüse.

Viele dieser Ursachen sind behandelbar, aber sie müssen gefunden werden. Frag aktiv danach, warte nicht darauf, dass jemand es von allein anspricht.

Ein letztes Wort: Du bist auf einem guten Weg

Wir wissen, wie schwer sich die Zeit nach einer Fehlgeburt anfühlen kann. Wie lang die Wochen sein können, bis die Periode nach einer Fehlgeburt zurückkehrt. Wie seltsam und schmerzhaft es ist, auf den eigenen Körper zu warten. Wie viel Mut es kostet, wieder zu hoffen und eine neue Schwangerschaft anzugehen.

Wir wissen aber auch: Die allermeisten Frauen, die wir durch diese Phasen begleiten, halten am Ende ihr Kind in den Armen. Nicht weil der Weg immer gerade war oder weil er keine Umwege hatte. Sondern weil sie weitergegangen sind, ganz nach ihrem eigenen Tempo.

Dein Körper erinnert sich, wie es geht und wann immer du bereit bist – ob in vier Wochen oder in zehn Monaten – die MamAcademy begleitet dich sehr gerne auf diesem Weg. Mit medizinischem Wissen, mit mentaler Unterstützung und mit dem echten Wunsch, dass es jetzt für dich klappt.

Die Kurse der MamAcademy

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