Du bist zum ersten Mal schwanger und dir schwirren viele Fragen durch den Kopf? Ganz klar, sowohl die Schwangerschaft als auch die Geburt bringen neue Herausforderungen mit sich. Vor allem auch die Frage: Was passiert im Kreißsaal?

Die Schwangerschaft ist emotional, spannend und aufregend – und was erst die Geburt. Jede Geburt ist anders. Das hängt nicht nur von dir und deinem Gesundheitszustand ab, sondern auch davon, wo du dein Baby zur Welt bringen möchtest. Es gibt viele Möglichkeiten: zu Hause, im Geburtshaus, im Hebammenzentrum oder ganz klassisch im Krankenhaus.

Die meisten Frauen entscheiden sich für eine Geburt im Krankenhaus, weil sie sich dort sicher fühlen und im Notfall die beste medizinische Versorgung bekommen.

Trotzdem gibt es oft Zweifel und Unsicherheiten. Du kannst dir vielleicht nicht so richtig vorstellen, was genau im Kreißsaal passiert. Deshalb bieten viele Krankenhäuser regelmäßig Besichtigungen der Entbindungsstation und der Gebärzimmer an.

Diese Informationsabende werden meistens im Rahmen von Geburtsvorbereitungskursen oder auf der Website des Krankenhauses angekündigt. Die Besichtigung ist in der Regel kostenlos.

Du hast die Geburtsklinik ausgewählt und die Fahrt dorthin geübt? Jetzt wartest du nur noch auf den Beginn der Geburtswehen, stimmt’s?

Aber was passiert eigentlich während der Geburt im Kreißsaal um dich herum und mit dir? Erfahre in diesem Artikel

  • was passiert, wenn du im Kreisssaal ankommst
  • was während der Geburt abläuft und wie lange das alles dauert
  • was ist eigentlich, wenn das Baby da ist

Wann sollte ich in den Kreißsaal?

Ein erstes Zeichen dafür, dass es bald losgeht, sind regelmäßige und starke Wehen. Wenn du regelmäßige Wehen hast, die etwa alle 5 Minuten über einen Zeitraum von 2 Stunden kommen (ab dem 2. Kind ungefähr alle 6-7 Minuten), solltest du dich auf den Weg in den Kreißsaal machen. Womöglich hast du bereits einen leicht blutigen Schleimabgang bemerkt (Schleimpfropf).

Auch der Blasensprung ist ein Hinweis. Wenn deine Fruchtblase platzt und du merkst, dass Flüssigkeit ausläuft, solltest du ebenfalls sofort ins Krankenhaus fahren.

Übrigens: Wir empfehlen, vorher zunächst im Kreißsaal anzurufen – lege dir also die Telefonnummer bereit. Zum einen können sie bereits Details zum Stand der Geburt einholen. In der Regel fragen sie dann:

  • Gibt es bereits Wehen, wenn ja: in welchen Abständen?
  • Wie stark sind die Wehenschmerzen (Hebammen können das anhand des Telefonats bereits einschätzen)
  • Ist die Fruchtblase noch intakt? Falls nein: Farbe des Fruchtwassers.

Meist sprechen sie dann eine Empfehlung aus, wann du dich auf den Weg machen solltest. Für dich hat dieser Anruf den Vorteil, dass ein Kreißsaal für dich bereits „reserviert“ werden kann und sie sich auf deine speziellen Wünsche vorbereiten können, wenn du zum Beispiel in die Gebärwanne möchtest.

Natürlich immer unter Vorbehalt: Die Kliniken sind in der Regel alle ausgelastet – aber auch deshalb hilft es, vorher anzurufen.

Wie lange du im Kreißsaal bist, unterscheidet sich erheblich von Frau zu Frau. Es hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Verlauf der Geburt und ob es Komplikationen gibt. Manche Frauen sind nur wenige Stunden im Kreißsaal, während andere mehrere Stunden oder sogar einen ganzen Tag dort verbringen.

Wie läuft es im Kreißsaal ab?

Eine Geburt ist nicht einfach wie eine To-Do Liste, bei der man nach und nach alles chronologisch abhakt. Am Ende ist jede Geburt sehr individuell.

Trotzdem gibt es einige Eckpfeiler, die meistens sehr ähnlich ablaufen. Damit du weißt, was auf dich zukommt, erfährst du nun mehr, womit du im Kreißsaal vermutlich rechnen kannst.

Wenn deine Wehen stärker werden und in immer kürzeren Abständen auftreten, ist es Zeit, ins Krankenhaus zu gehen. Aber du gehst nicht direkt in den Kreißsaal, sondern zur Aufnahme. Die meisten Frauen kennen die Räumlichkeiten und den Ablauf bereits, weil sie bei Besichtigungen oder Geburtsvorbereitungskursen informiert wurden.

Sobald du im Krankenhaus bist, wird die Hebamme oder der Arzt/die Ärztin dich und dein Baby untersuchen, um sich ein Bild von eurem Zustand zu machen. Es wird ein Gespräch geben und einige Untersuchungen werden durchgeführt.

Beim Aufnahmegespräch sprichst du alle offenen Fragen zur bevorstehenden Geburt an. Die Ärzte/Ärztinnen oder Hebammen erfassen auch deinen aktuellen Zustand. Sie schauen in den Mutter-Kind-Pass, fragen nach dem bisherigen Schwangerschaftsverlauf und dem Abstand der Wehen.

Es wird empfohlen, dass du dich bereits während der Schwangerschaft in einer Klinik deiner Wahl zur Geburt anmeldest. Bei der Anmeldung wird ein Gespräch geführt, bei dem alle relevanten gynäkologischen Daten erfasst werden. Diese Informationen werden beim Geburtsaufnahmegespräch verwendet, um die Aufnahme schneller abzuwickeln.

Während oder nach dem Gespräch wird ein CTG gemacht, um zu sehen, wie regelmäßig, stark und produktiv deine Wehen sind. Durch das CTG werden zudem die Herztöne deines Babys und die Abstände zwischen den Wehen aufgezeichnet – all das wird von den Hebammen vor Ort auf Monitoren überwacht. Sie haben dich also im Blick!

Dennoch: Die CTG-Kontrollen empfinden einige Frauen als unangenehm, da sie ihre Bewegungsfreiheit einschränkt und sie die Apparatur rund um ihren Bauch als störend wahrnehmen. Sprich unbedingt deine Wünsche und Bedürfnisse an, wenn irgendetwas für dich nicht richtig erscheint!

Nachdem du das Aufnahmegespräch hattest, wird eine Untersuchung gemacht. Die Hebamme oder Gynäkologin prüft, wie weit dein Muttermund bisher geöffnet ist. Sie beurteilt auch die Lage deines Babys und die Qualität des Fruchtwassers. Das wird mit Hilfe eines Ultraschallgerät untersucht.

Zusätzlich wird dein Blutdruck gemessen, um eine Schwangerschaftsvergiftung und Kreislaufprobleme auszuschließen. Die Messung deiner Temperatur hilft im Zweifel dabei, eine Infektion auszuschließen.

Danach kannst du, abhängig vom Fortschreiten der Geburt, entweder ein Zimmer auf der Station beziehen. Bist du schon weiter, kannst du direkt im Kreißsaal bleiben, wo du Unterstützung durch die Hebammen bekommst.

Manchmal werden Frauen dann auch noch einmal nach Hause geschickt – wenn die Geburt noch viel zu sehr am Anfang steht.

Die Geburt kommt nicht von alleine in Gang? Hier erfährst du alles zu den Methoden einer >> Geburtseinleitung.

Entbindungsmöglichkeiten und Hilfsmittel

Wenn es kurz vor der Geburt steht, gewinnt diese Frage immer mehr an Bedeutung: Wie möchtest du entbinden?

Viele Frauen haben während der Schwangerschaft bereits eine bestimmtes Vorgehen im Kopf, andere entscheiden sich spontan, wenn sie in den Wehen sind.

Die meisten Entbindungszimmer haben die gängigsten Möglichkeiten und Hilfsmittel zur Verfügung.

Dazu gehören:

  • ein spezielles Bett zum Gebären
  • ein Gebärhocker
  • ein Seil zum Festhalten
  • eine Sprossenwand
  • ein Pezziball
  • ein Becken für Wassergeburten
  • ein Gebärrad

Jetzt wird es spannend. Hier gibts noch einmal den Ablauf der Geburt und was dich im Kreißsaal erwartet. Wenn du mehr zu dem Thema wissen möchtest, empfehlen wir dir Folge 21 unseres MamAcademy-Podcast. Dort sprechen wir auch über unsere eigenen Geburtserfahrungen.

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Die Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt. Sie dauert so lange, bis der Muttermund ganz geöffnet ist – also zehn Zentimeter. Beim ersten Kind dauert diese Eröffnungsphase normalerweise etwa zehn bis zwölf Stunden. Wenn du bereits ein Kind geboren hast, dauert es durchschnittlich sechs bis acht Stunden.

Ein erstes Anzeichen für den Geburtsbeginn könnte sein, wenn sich der Schleimpfropf im Muttermund löst.

Am Ende der Eröffnungsphase ist der Muttermund zehn Zentimeter weit geöffnet. Spätestens jetzt platzt die Fruchtblase. Je nachdem, wie sie reißt, kommt dir ein ganzer Schwall Fruchtwasser entgegen oder du verlierst nur schubweise etwas Fruchtwasser.

Die Kontrolluntersuchungen

In dieser Phase werden deine Herztöne und der Muttermund regelmäßig überprüft. Die Hebamme wird durch die Vagina untersuchen, wie weit der Muttermund geöffnet ist und auch, ob er fest oder weich ist. Zudem will sie wissen, wie weit das Köpfchen vorwärts geschoben wurde und ob es sich unter der Geburt richtig dreht.

Früher wurden oft hygienische Maßnahmen wie Einläufe, Körperreinigungen oder das Rasieren der Schamhaare durchgeführt. Diese sind jedoch nicht notwendig und daher nicht mehr Routine. So kannst du frei entscheiden, ob du einen Einlauf möchtest.

Die Press- und Nachgeburtsphase

In der Pressphase wirst du einen starken Drang zum Pressen verspüren, wenn der Muttermund vollständig geöffnet ist, also bei zehn Zentimetern liegt. Die Kraft der Gebärmutter und aktives Mitpressen durch das Becken, schieben das Baby voran – für jede werdende Mama wohl eine sehr intensive Phase. Ein Wunder geschieht: Dein Baby wird geboren.

In der Nachgeburtsphase wird normalerweise innerhalb von 20-30 Minuten die Plazenta (Mutterkuchen) geboren.

Falls es dich interessiert, lies auch hier: Presswehen erkennen

Du fragst dich vielleicht: Was kann ich gegen die Schmerzen während der Geburt tun?

Es gibt Momente während der Geburt, in denen du vielleicht denkst, dass du nicht mehr weitermachen kannst. Das kommt bei vielen Frauen vor und bedeutet nicht, dass du die Geburt nicht schaffen wirst. In diesen Momenten hilft es, sich nicht gegen die Wehen zu wehren – auch wenn das natürlich leichter gesagt als getan ist. Eine gute mentale Geburtsvorbereitung macht sich an dieser Stelle besonders bezahlt, zum Beispiel durch Schwangerschaftsyoga.

Wenn die Schmerzen sehr stark werden, gibt es verschiedene Möglichkeiten, Erleichterung zu finden:

  • Du kannst deine Körperhaltung ändern, zum Beispiel auf einem Gymnastikball sitzen, auf der Seite liegen oder mit Unterstützung herumgehen.
  • Entspannungs- und Atemübungen helfen, genauso wie Entspannungshilfen wie ein Fußbad, eine Wärmflasche oder eine Massage von Rücken und Steißbein.
  • Ein warmes Bad kann Wunder wirken und bringt ebenfalls Linderung. Ist die Badewanne im Kreißsaal frei?
  • Es gibt auch alternative Methoden wie Akupunktur zur Beruhigung und Schmerzlinderung.
  • Wenn nötig, besteht auch die Möglichkeit entspannende und schmerzlindernde Medikamente einzusetzen. Es gibt auch regionale Betäubungen wie die Peridural-Anästhesie (PDA).

In unserem Yoga-Kurs für Schwangere lernst Entspannungstechniken. Übrigens: Je weicher und entspannter dein Beckenboden ist, desto müheloser und unkomplizierter ist die Entbindung!

Es gibt verschiedene Geburtspositionen. Die häufigste Position ist die sogenannte Hinterhauptslage, bei der das Baby mit dem Kopf nach unten liegt. Es gibt auch die Steißlage, bei der das Baby mit dem Po nach unten liegt. In seltenen Fällen kann das Baby auch in Querlage oder Schräglage sein. Wenn das Baby nicht in der richtigen Position liegt, versuchen die Hebamme oder der Arzt/Ärztin, es während der Geburt zu drehen. Manchmal ist jedoch ein Kaiserschnitt notwendig, um das Baby sicher auf die Welt zu bringen.

Ja, du kannst dich während der Geburt noch für einen Kaiserschnitt entscheiden und das aus unterschiedlichsten Gründen: Zum Beispiel, wenn es Komplikationen gibt (hier entscheidet natürlich auch der Arzt oder die Ärztin) oder wenn du starke Schmerzen hast und dich körperlich nicht in der Lage fühlst, die Geburt zu Ende zu bringen.

Das ist oft der Fall, wenn die Eröffnungsphase besonders lange und kräftezehrend ist. Die Energie wird nach stundenlangem Wehenveratmen ja nicht unbedingt mehr.

Spreche den Arzt oder die Ärztin an. Sie werden dir helfen, die beste Entscheidung für dich und dein Baby zu treffen.

Häufige Fragen zum Thema Geburt im Kreißsaal

Folgende Fragen bekommen wir von der MamAcademy immer wieder gestellt – besonders von unseren Teilnehmerinnen in unserem Kurs „Gesund durch die Schwangerschaft“.

Ja, in den meisten Krankenhäusern ist es erlaubt, dass eine Begleitperson dich während der Geburt im Kreißsaal begleitet. Egal, ob es dein Partner, ein Familienmitglied oder eine Freundin sein soll – du entscheidest das. Die Begleitperson leistet dir emotionalen oder manchmal auch praktischen Beistand.

Kläre noch vor der Geburt einmal ab, ob eine Begleitperson erlaubt ist und welche Regeln es gibt. Manchmal gibt es auch Beschränkungen aufgrund von Platzmangel oder aus medizinischen Gründen.

Extra-Tipp: Bereite deine Begleitung auf die Geburt vor und teile ihr deine Wünsche und Bedürfnisse genau mit.

An sich ist es möglich, alles mitzubringen, was dir während der Geburt gut. Zum Beispiel ein besonders bequemes (Still-)Kissen oder Duftöle oder deine Musik. Während der Entbindung verbrauchst du viel Energie: Vielleicht wirst du hungrig oder durstig. Essen und Trinken ist erlaubt, wenn die Geburt normal verläuft. Packe also einige Snacks wie Müsliriegel oder Obst ein und ein Getränk, das du magst.

Kurzum: Die meisten Krankenhäuser erlauben heute fast alles, was du gerne dabei haben möchtest. Vorab lohnt es sich, nochmal zu fragen.

In solchen Fällen wird das Krankenhaus oder die Geburtsklinik alternative Lösungen finden, um dir zu helfen. Zum Beispiel wirst du vorübergehend in einem anderen Raum untergebracht, bis ein Kreißsaal frei wird. Oder aber du wirst in ein normales Krankenzimmer gebracht und ein Entbindungsbett wird hereingeschoben und alle notwendigen Geräte wie ein CTG-Gerät werden bereitgestellt, damit das Team bei der Geburt helfen kann.  

In extrem seltenen Fällen beschließt die Klinik einen kurzfristigen Aufnahmestopp. Hier würdest du mit dem Krankenwagen in eine andere Klinik gebracht werden. Das medizinische Personal wird sich um dich kümmern und sicherstellen, dass du die Unterstützung bekommst, die du brauchst.

Pro-Tipp: Wenn die Wehen losgehen oder die Fruchtblase geplatzt ist, unbedingt vorher in deiner Wunschklinik im Kreißsaal anrufen und dich ankündigen. So kann besser geplant werden und du hast deinen Platz wahrscheinlich sicher. Zudem gibt dir die Hebamme am Telefon Hilfestellung, wenn du nicht genau einschätzen kannst, wann du losfahren sollst.

Was passiert im Kreißsaal nach der Geburt?

Nach der Geburt wird sich das medizinische Personal um dich und natürlich um dein Baby kümmern. Sie werden überprüfen, ob alles in Ordnung ist und dich möglicherweise untersuchen. Dein Baby wird gewogen, gemessen und gesundheitlich untersucht.

Aber was vor allem passiert: Du bekommst ausreichend Zeit, dein frisch geborenes Baby im Arm zu halten, zu kuscheln, warm zu halten. Es hat gerade eine aufregende Reise hinter sich und benötigt sehr deine Nähe.

Du kannst dein Baby auch zum ersten Mal stillen, wenn du das möchtest. Die Mitarbeiter:innen werden dir helfen und dir Tipps geben, wie du dein Baby richtig anlegst. Du wirst auch Zeit haben, dich auszuruhen und dich von der Geburt zu erholen.

Die Aufenthaltsdauer im Kreißsaal nach der Geburt kann variieren. In der Regel bleibt man dort für eine gewisse Zeit, um sicherzustellen, dass sowohl du als auch dein Baby stabil und gesund sind. Dies kann etwa 1-2 Stunden dauern. Während dieser Zeit überwacht das medizinische Personal dich und dein Baby, um sicherzustellen, dass es keine Komplikationen gibt.

Was dann noch ansteht: Der erste Toilettenbesuch für dich. Dort will die Hebamme routinemäßig wissen, ob deine Blase keinen Schaden genommen hat und auch sehen, ob du aufstehen kannst.

Dann wirst du in ein anderes Zimmer verlegt, wo du weiterhin betreut wirst.

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