Na toll, jetzt juckt auch noch der Po. Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind keine Seltenheit und dennoch wird das Thema gern totgeschwiegen. Erfahre mehr über Symptome, Diagnose und Tipps, wie du sie loswirst.

Einige Begleiterscheinungen in der Schwangerschaft sind zwar unangenehm, aber überraschen Schwangere oft nicht – zum Beispiel Übelkeit und Erbrechen. Doch dann gibt es Begleiterscheinungen, bei denen du dann denkst: ernsthaft jetzt?

Vermutlich hast du bisher nur Hämorriden bisher nur mit älteren Menschen in Verbindung gebracht hast. Doch die Schwangerschaft belehrt dich gerade eines Besseren: Plötzlich ist da was, was da nicht hingehört. Und es juckt. Und brennt.

Also, wenn auch du bei Hämorriden in der Schwangerschaft ganz laut „HIER“ geschrien hast, dann ist dieser Beitrag für dich.

Was sind Hämorriden?

Medizinisch korrekt ausgedrückt sind Hämorriden Erweiterungen der Blutgefäße am Darmausgang.

Puh, klingt irgendwie angsteinflößend, aber um direkt mal die Kuh vom Eis zu nehmen: Jeder Mensch hat Hämorriden und das ist auch erst mal gut so.

Hämorriden sind kleine, mit Blut gefüllte Polster im Bereich des Enddarms. Normalerweise befinden sie sich im Inneren und helfen dabei, den Stuhl aufzufangen und zu halten.

Sie sind demzufolge keine Krankheit an sich, sondern werden dann zum Problem, wenn sie aufgrund von übermäßigem Druck oder Belastung größer werden und dadurch Beschwerden hervorrufen.

Wenn du noch mehr dazu wissen willst, höre dir gern unsere MamAcademy Podcast-Folge zum Tabuthema Hämorrhoiden an. Da bekommst du alle Infos. Und wir erklären außerdem den Unterschied zu Analvenenthrombosen.

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Weitere Informationen

Warum kommt es zu Hämorrhoiden in der Schwangerschaft?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, warum während der Schwangerschaft Hämorrhoiden auftreten:

  • Druck im Bauchraum: Das wachsende Gewicht deines Babys drückt auf den Blutfluss in deinem Beckenbereich und auf die Blutgefäße in deinem Rektum. Dadurch können sich deine Hämorrhoiden erweitern und anschwellen.
  • Eingeschränkte Blutzirkulation: Aufgrund hormoneller Veränderungen lockern sich während der Schwangerschaft die Bänder und Muskeln in deinem Körper. Dadurch werden die Blutgefäße in deinem Rektum nicht mehr ausreichend gestützt und das Risiko für Hämorrhoiden während der Schwangerschaft steigt. Weitere Gründe für eine eingeschränkte Blutzirkulation können beispielsweise der wachsende Uterus, Fettansammlungen oder Wassereinlagerungen sein.
  • Verstopfung: Ja, auch hier musst du dich nicht unwohl fühlen oder schämen. Viele werdende Mütter leiden unter Verstopfung. Beim Stuhlgang erhöht sich der Druck auf die Hämorrhoiden.

Symptome: Wie machen sich Hämorriden in der Schwangerschaft bemerkbar?

Die Symptome von Hämorrhoiden kommen meist nicht schleichend. Da sie oft als unangenehm empfunden werden, fallen sie den Schwangeren meist direkt auf:

Juckreiz

Wenn es am Po juckt oder brennt, kann es ein Anzeichen für Hämorriden sein. Manchmal geht es über das Jucken hinaus und führt zu Schmerzen im Analbereich.

Druckgefühl

Du sitzt nach dem großen Geschäft weitere Minuten auf der Toilette, weil du denkst, da kommt noch was? Gut möglich, dass du aufgrund von Hämorriden das Gefühl von einer unvollständigen Darmentleerung hast.

Nässen

Wenn sich die Hämorrhoiden vergrößern und aus dem After austreten, kann es dazu führen, dass der Bereich um den After mit feuchter Schleimhaut in Kontakt kommt. In fortgeschrittenen Stadien können die Hämorrhoiden den Darm nicht mehr richtig verschließen, was zu Feuchtigkeit und Stuhlinkontinenz führen kann.

Blutungen

Solltest du nach einer großen Sitzung Blut in der Toilette, auf dem Stuhl, oder auf dem Klopapier finden, kann auch das von Hämorriden stammen.

Diagnose: Wie werden Hämorriden in der Schwangerschaft festgestellt?

Hab keine Panik, Hämorriden sind in der Regel ungefährlich. Es ist dennoch wichtig, einen Arzt aufzusuchen, um die Diagnose von Hämorrhoiden zu bestätigen. Solltest du Blut im Stuhl haben, kann das auch auf andere ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Juckreiz im Intimbereich kann auch durch Ekzeme oder Scheidenpilz in der Schwangerschaft verursacht werden.

Um Hämorrhoiden festzustellen, passiert bei der ärztlichen Untersuchung meist Folgendes:

  1. Inspektion des Anus und des Rektums. Dabei führt der Arzt einen Finger in deinen After ein, um den Zustand der Hämorrhoiden zu überprüfen. Diese Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und dauert nur kurz.
  2. Es folgt die digitale rektale Untersuchung. Dabei schaut der Arzt mit einem speziellen Instrument, dem Proktoskop, in deinen After und das untere Ende des Darms und kann dadurch mögliche Hämorrhoiden erkennen.

Dein Arzt oder deine Ärztin wird die geeignete Untersuchungsmethode für dich auswählen und eine genaue Diagnose stellen. Du musst dich keinesfalls komisch fühlen. Das Schlimmste, was du machen kannst, ist Schweigen und die Schmerzen über dich ergehen lassen. Lass dir helfen!

Hämorriden in der Schwangerschaft: Wie schlimm ist es?

Jetzt mal Klartext: Etwa die Hälfte aller schwangeren Frauen ist von Hämorrhoiden betroffen.

Meistens jedoch in einem milden Stadium (Grad 1 oder 2) und im letzten Trimester der Schwangerschaft oder erst nach der Geburt. Die Intensität und Ausprägung der Hämorriden sind vom Schweregrad abhängig.

Bei Hämorrhoiden werden vier Erkrankungsgrade unterschieden:

  • Grad 1: Deine Hämorrhoiden befinden sich noch im Inneren und sind klein. Hier ist es möglich, dass du keine oder nur leichte Beschwerden bemerkst.
  • Grad 2: Deine Hämorrhoiden stülpen sich beim Stuhlgang vorübergehend nach außen und ziehen sich danach wieder zurück. Beim Stuhlgang kannst du ein brennendes Gefühl und Juckreiz verspüren.
  • Grad 3: Deine Hämorrhoiden bleiben auch nach dem Stuhlgang außerhalb und müssen manuell zurückgeschoben werden. In diesem Stadium sind Schmerzen, häufiges Jucken und Brennen normal. Es kann vorkommen, dass die vergrößerten Gefäßpolster auch bei körperlichen Aktivitäten aus dem After treten.
  • Grad 4: Deine Hämorrhoiden sind dauerhaft außen und lassen sich nicht mehr zurückdrücken. Du kannst Blutungen, Juckreiz, starke Schmerzen haben und Probleme beim Sitzen auftreten. Diese Art der Hämorriden sind dauerhaft als Knoten am After sichtbar und ertastbar.

Behandlung: 10 Tipps, die gegen Hämorrhoiden in der Schwangerschaft helfen

Es gibt tatsächlich viele sanfte Behandlungsmethoden, die nach Rücksprache mit deinem Arzt oder deiner Ärztin für Schwangere geeignet sind und Linderung versprechen. Vor allem kannst du selbst schnell aktiv werden:

Gesunde Ernährung

Achte darauf, dich ballaststoffreich zu ernähren. Warum? Dadurch kommt es weniger zu Verstopfungen, bedeutet: du kannst auf Toilette gehen – ohne drücken zu müssen.

Quellstoffe

Lebensmittel wie Flohsamenschalen oder Leinsamen können zusätzlich helfen, deine Stuhlgewohnheiten zu regulieren. Gib sie einfach in dein Müsli!

Wasser

Trinke ausreichend, vor allem Wasser, Tee oder Saftschorle.

Regelmäßige Bewegung

Runter vom Sofa! Bewege dich so viel und regelmäßig wie möglich. Unser Online-Yoga-Kurs für Schwangere ist schonend und hilfreich.

Beckenbodentraining

Ein starker Beckenboden verringert enorm das Risiko von Hämorrhoiden und du wirst sie schneller los. Mehr dazu im Artikel: Beckenboden richtig anspannen.

Schonender WC-Besuch

Versuche langes Sitzen und starkes Pressen auf der Toilette zu vermeiden. Und probiere dich mal an einem Kackhocker (ja, sowas gibts!).

Hygiene

Reinige die Anal-Region nach dem Stuhlgang gründlich mit Wasser. Du kannst zusätzlich auch Vitamin-E-Öl für den Po benutzen. Das ist speziell für Probleme im Analbereich entwickelt und kann eine Salben-Alternative darstellen.

Vitamin E

Entzündungsreaktionen werden durch Vitamin E abgeschwächt und es unterstützt die Heilung von gerissenen Kapillargefäßen. Während der Schwangerschaft ist dein Bedarf an Vitamin E leicht erhöht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Schwangeren eine tägliche Zufuhr von 13 Milligramm Vitamin E. Gute Quellen sind Sonnenblumenkerne, Weizenkeime und hochwertige Pflanzenöle.

Eine weitere Möglichkeit, um Beschwerden bei vergrößerten Hämorrhoiden zu lindern, sind pflanzliche Arzneimittel. In den Anfangsstadien werden oft Salben und Zäpfchen empfohlen.

Operativer Eingriff

In sehr seltenen Fällen kann es notwendig sein, die Hämorrhoiden operativ zu entfernen. Wenn du also unter Hämorrhoiden 3. oder 4. Grades leidest, wird deine Ärztin oder dein Arzt gemeinsam mit dir abwägen, ob eine Operation während der Schwangerschaft sinnvoll ist.

Erste Hilfe: Hausmittel bei Hämorriden in der Schwangerschaft

Du willst schnell Linderung und nicht den nächsten Besuch bei deiner Ärztin abwarten? Dann haben wir diese beiden Tipps für dich:

Sitzbäder

Nimm regelmäßig Sitzbäder mit lauwarmem Wasser, um die Schmerzen und den Juckreiz bei Hämorrhoiden zu lindern und die Heilung zu unterstützen. Viele Frauen haben gute Erfahrungen mit Kamillenblütenextrakt oder Gerbstoff „Tamol PP“ gemacht. Du kannst entzündungshemmende Wirkung von Kamille nutzen, indem du zum Beispiel eine Badelösung in Apotheken erhältlich (15 Milliliter in 1 Liter Wasser) verwendest. Als flüssigen Badezusatz kannst du auch den Gerbstoff Tamol PP verwenden (5 Milliliter in 5 Liter Wasser).

Kompressen

Du kannst dir auch selbst kühle Salbeitee-Kompressen herstelle, die oft als sehr angenehm empfunden werden. Tränke dazu Kosmetikpads in Salbeitee und lege sie in den Kühlschrank. Wenn du akuten Juckreiz oder Schmerzen hast, packst du die kühlen Kompressen an deinen Allerwertesten.

Sind Hämorrhoiden in der Schwangerschaft und bei der Geburt gefährlich?

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft sind unangenehm und lästig, aber normalerweise nicht gefährlich – weder für dich noch für dein Baby.

Während der Geburt können die Hämorrhoiden aufgrund des starken Drucks schmerzen und anschwellen. Diese Beschwerden bessern sich üblicherweise im Wochenbett.

In seltenen Fällen können Hämorrhoiden in der Schwangerschaft zu Komplikationen wie Thrombosen oder einer Verengung des Analkanals führen. Wenn du während der Schwangerschaft Hämorrhoiden, Schmerzen, Juckreiz oder Blut im Stuhl hast, solltest du unbedingt deine Ärztin oder deinen Arzt um Rat fragen. Mit einer geeigneten Behandlung sollten deine Beschwerden schnell abklingen.

Hämorrhoiden in der Schwangerschaft: Darf man sie reindrücken?

Nein!

Es wird empfohlen, Hämorrhoiden während der Schwangerschaft nicht zurückzudrücken. Das kann nämlich zu weiteren Reizungen und Schmerzen führen. Stattdessen solltest du dich auf sanfte Maßnahmen konzentrieren, um die Beschwerden zu lindern, wie zum Beispiel eine gesunde Ernährung, ausreichend Flüssigkeitszufuhr, regelmäßige Bewegung und die Verwendung von Sitzbädern oder Salben, die vom Arzt empfohlen wurden.

Hämorriden nach der Geburt: Wann verschwinden sie wieder?

Je nachdem wie stark deine Hämorrhoiden sind und wie dein Körper darauf reagiert, kann es unterschiedlich lange dauern, bis sie nach der Geburt zurückgehen.

Normalerweise sollten deine Beschwerden innerhalb von einigen Wochen oder spätestens nach ein paar Monaten verschwinden. Wenn dies nicht der Fall ist, solltest du unbedingt mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen.

Auch ein lästiges Thema, was dir absolut nicht unangenehm sein muss: Inkontinenz in der Schwangerschaft.

Unser Programm für die Veränderungen in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft bringt ganz schön viele überraschende Veränderungen mit sich, oder? Es ist absolut sinnvoll, sich in dieser Zeit begleiten zu lassen. Wir haben da etwas für dich entwickelt: Das kostenlose 5-Tage-Begleitprogramm der MamAcademy!

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