Der Scheidenriss ist nahezu unbekannt, obwohl ihn viele Frauen nach einer Geburt haben. Erfahre, wie es zu der Geburtsverletzung kommt und was du tun kannst!

Der Dammriss als Geburtsverletzungen ist nahezu allen werdenden Mütter bekannt und jede Frau hofft, ihn bei der Geburt vermeiden zu können. Aber was ist mit dem Scheidenriss?

Diese Verletzung ist viel weniger bekannt, dennoch kommen sie unter der Geburt häufig vor und sind nicht unbedingt weniger schmerzhaft.

Du fragst dich vielleicht:
Wie kommt es zu einem Scheidenriss?
Wie lange dauert es in der Regel, bis ein Scheidenriss verheilt ist?

Welche Art von Pflege und Hygiene ist nach einem Scheidenriss besonders wichtig?

Am Ende dieses Artikel weißt du alles über den Scheidenriss, was du wissen möchtest und weißt auch, was du tun kannst, damit er schneller verheilt

Was ist ein Scheidenriss genau?

Ein Scheidenriss ist eine Verletzung, die während der Geburt auftritt. Dabei reißt das Gewebe der Scheide aufgrund des Drucks und der Dehnung während des Geburtsvorgangs. Das wiederum führt in einigen Fällen zu Schmerzen, Blutungen und anderen Komplikationen.

Es ist schwierig, eine genaue Zahl zu nennen, da die Rate von Scheidenrissen bei der Geburt von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z.B. der Größe des Babys, der Dauer der Geburt und anderen individuellen Faktoren. Schätzungen zufolge erleiden jedoch etwa 60-70% der Frauen einen gewissen Grad an Scheidenriss während der Geburt.

Die Natur hat einiges vorbereitet, damit eine Schwangerschaft weitestgehend komplikationsarm verläuft: Während der Schwangerschaft fördern Hormone die Elastizität des Gewebes im Intimbereich. Darüber hinaus lockern die einsetzenden Wehen die Schleimhaut der Vagina, sodass dein Kind leichter hindurchpasst. Und dennoch kommt es in einigen Fällen zu Scheidenrissen und Abschürfungen.

Gründe dafür gibt es viele:

  • Eine Möglichkeit ist, dass das Kind besonders groß ist, sodass das Gewebe der Scheide dem Druck nicht standhält.
  • Eine andere Möglichkeit ist, dass der Arm des Babys neben dessen Kopf liegt.
  • Wenn es sich um eine Zangen- oder Saugglockengeburt handelt, ist ein Scheidenriss ebenso wahrscheinlicher.
  • Wenn du während der Geburt verkrampfst oder aus Angst vorschnell presst, bleibt dem Gewebe keine Zeit, sich zu dehnen – auch hier ist ein Scheidenriss möglich.

Die Verletzungen treten von Frau zu Frau an verschiedenen Stellen der Vagina auf, zum Beispiel direkt am Eingang oder auch am oberen Ende. Auch Körperstellen in unmittelbarer Nähe der Vagina werden während einer Geburt womöglich verletzt, wie zum Beispiel die Schamlippen („Labienriss“) und der Damm, die Region zwischen Vagina und Anus. Ein Dammriss verletzt häufig die unteren Wände der Vagina und erstreckt sich bis zum Schließmuskel des Analkanals.

Mehr dazu findest du in unserem Artikel: Dammriss vorbeugen.

Die Diagnose eines Scheidenrisses ist einfach. Sobald dein Kind geboren ist, wird im Anschluss eine vaginale Untersuchung durchgeführt. Dabei geht es darum, mögliche Verletzungen zu entdecken und gegebenenfalls kurzfristig zu behandeln.

Wenn der Riss am äußerlichen Scheideneingang liegt, ist die Diagnose meist schnell gestellt. Aber ein innerer Riss, wie der hohe Scheidenriss, ist nicht immer sofort erkennbar.

Typische Symptome sind:

  • eine vaginale Blutung, bevor der kindliche Kopf geboren ist
  • anhaltende Blutungen nach der Geburt
  • Blutungen, obwohl sich die Plazenta noch nicht abgelöst hat

Für die Ärzt:innen im Kreißsaal sind diese Verletzungen reine Routine. Du wirst in der Regel schnell versorgt.

Das Thema Scheidenriss ist für viel Frauen sensibel. Vielleicht beängstigt es dich auch. Dennoch ist der Scheidenriss keine Seltenheit und in den meisten Fällen gut behandelbar.

Die Heilungsdauer eines Scheidenrisses hängt von der Schwere der Verletzung ab – dennoch heilen Schleimhautverletzungen in der Regel schnell. Es dauert etwa etwa vier bis sechs Wochen, bis ein Scheidenriss vollständig verheilt ist.

Wie kann ein Scheidenriss behandelt werden?

Auch wenn das Thema vielleicht beängstigend für dich ist, können wir dich an dieser Stelle beruhigen:

Die Prognose für eine schnelle Heilung ist bei einer sofortigen Behandlung sehr gut.

Ein Scheidenriss wird im Normalfall sofort nach der Geburt behandelt. Die Behandlung und Versorgung eines Scheidenrisses hängt von Art und Schweregrad der Rissverletzung ab.

Wenn du es ganz genau wissen willst, hier eine Auflistung an Eventualitäten:

  • Scheidenrisse ohne Dammriss werden nur genäht, wenn sie größer als 2 x 2 cm sind.
  • Eine Kombination aus Scheidenriss und Dammriss (ab 2. Grad) wird in der Regel immer genäht.
  • Hohe bzw. tiefe Scheidenrisse werden ebenfalls genäht.
  • Kleinere Rissverletzungen am Scheideneingang müssen nicht genäht werden.
  • Sollte der Riss stark bluten oder großflächiger sein, wird meist unter örtlicher Betäubung genäht.
  • Wenn es sich um einen inneren Riss in der Scheide in der Nähe des Gebärmutterhalses handelt oder in Kombination mit einem Riss im Gebärmutterhals, ist eine komplexere chirurgische Behandlung erforderlich, da die Verletzung nicht leicht zugänglich ist. In solchen Fällen kann eine Vollnarkose empfohlen werden.

Die Wundversorgung wird meist von einem Arzt oder einer Ärztin übernommen, während leichtere Verletzungen auch von Hebammen genäht werden dürfen.

In unserem Podcast #114 sprechen wir offen über das Thema Geburtsverletzungen und warum es hilfreich ist, Ängste vor der Geburt aufzulösen.

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  • Halte die Wunde sauber: Achte darauf, dass du die Wunde regelmäßig mit Wasser und einer milden Seife reinigst, um Infektionen zu vermeiden.
  • Vermeide Reibung: Trage lockere Kleidung und vermeide es, enge Hosen oder Unterwäsche zu tragen, um Reibung an der Wunde zu vermeiden.
  • Verwende spezielle Salben: Es gibt spezielle Salben, die die Wundheilung unterstützen. Sprich am besten mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber, welche Salbe für dich geeignet ist.
  • Verwende eine Intimdusche: Nach einer Rissverletzung treten in den ersten Tagen beim Wasserlassen oft brennende Schmerzen auf. Eine einfache Methode zur Linderung ist, beim Toilettengang mit einer Intimdusche lauwarmes Wasser über deinen Intimbereich zu gießen – so milderst du das Brennen an der Wunde ab.
  • Nimm das Wochenbett ernst: Versuche, so viel wie möglich zu liegen und vermeide es, lange zu stehen, zu laufen oder zu sitzen, um die Belastung zu reduzieren. Vermeide auch offene Sitzpositionen wie den Schneidersitz, um Zug auf die Wunde und die Naht zu vermeiden. Stattdessen kannst du in der Seitenlage oder auf dem Rücken liegend stillen. Damit du bestens vorbereitet bist, haben wir für dich eine gratis Wochenbett-Checkliste erstellt.

Übrigens: Geschlechtsverkehr ist erst nach der Wundheilung empfehlenswert.

Die Nachsorgeuntersuchungen nach einem Scheidenriss sollten in der Regel in den ersten Wochen nach der Geburt stattfinden. Es ist wichtig, dass die Heilung des Risses überwacht wird und eventuelle Komplikationen somit frühzeitig erkannt werden.

In der Regel werden die ersten Nachsorgeuntersuchungen etwa 6 Wochen nach der Geburt durchgeführt. Dabei wird der Heilungsprozess des Scheidenrisses überprüft und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Heilung besprochen.

Bei jeglichen Beschwerden oder Auffälligkeiten im Bereich des Scheidenrisses suche bitte sofort einen Arzt oder eine Ärztin auf, auch wenn die regulären Nachsorgeuntersuchungen noch nicht anstehen.

Lässt sich ein Scheidenriss vorbeugen?

Gezieltes Beckenbodentraining in der Schwangerschaft und regelmäßige Dammmassagen helfen dir, Geburtsverletzungen vorzubeugen. Wenn du regelmäßig Übungen machst, stärkst du deine Beckenbodenmuskulatur und verbesserst die Durchblutung, was zu einer besseren Dehnungsfähigkeit des Gewebes führt.

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Auch Dammmassagen haben einen ähnlichen Effekt: sie sorgen für mehr Elastizität im Dammbereich.

Studien zeigen, dass eine tägliche Dammmassage in den letzten drei bis fünf Wochen vor der Geburt das Verletzungsrisiko vor allem bei Erstgebärenden senken kann.

So funktioniert die Dammmassage: Reibe etwas Öl zwischen deinen Fingern. Führe den Daumen in deine Scheide ein, während dein Zeigefinger in kreisenden Bewegungen den Damm massiert (Bereich zwischen Vagina und Anus). Nun dehne deine Vagina weiter, indem du deinen Zeigefinger einführst. Spreize deinen Daumen und Zeigefinger. Hierdurch wird der Bereich der unteren Scheidenwände gelockert. Taste dich vorsichtig an die Massage heran und frage dazu auch deine Hebamme oder Gynäkologin.

Auch im laufenden Geburtsprozess gibt es Maßnahmen, die präventiv gegen Geburtsverletzungen wirken.

  • Du kannst frei wählen, in welcher Position du gebären möchtest und dich bewegen, um den Prozess zu unterstützen.
  • Eine entspannende Umgebung mit warmer Temperatur und gedämpftem Licht ist ebenfalls hilfreich, um dich im Geburtsprozess entspannen zu können.
  • Hebammen können dir außerdem mit feucht-heißen Kompressen auf Damm und Vulva zusätzlichen Schutz bieten – diesen Dammschutz machen sie während der Presswehen meist automatisch.
  • Es ist wichtig, forciertes Mitpressen zu vermeiden und nur zu schieben, wenn wirklich Druck nach unten besteht.
  • Es ist zwar einfacher gesagt als getan, aber entspanne dich – versuche es zumindest: Während der Geburt zu verkrampfen, kann einen Scheidenriss begünstigen. Zur Prävention kannst du dich mit verschiedenen Atemtechniken oder Schwangerschafts-Yoga wunderbar vorbereiten.

Stärke deinen Beckenboden nach der Geburt!

Beckenbodentraining ist die beste Prävention vor Geburtsverletzungen und auch die ideale Vorbereitung auf die Geburt. Der Beckenboden ist ein Muskel, der den unteren Teil des Bauchraums unterstützt. Wenn dieser Muskel stark ist, kann er den Druck während der Geburt besser aushalten und somit das Risiko eines Risses verringern. Durch gezielte Übungen trainierst und stärkst du deinen Beckenboden und lernst auch – ganz wichtig – ihn richtig entspannen zu können.

Unser Tipp: Falls es noch nicht zu spät ist, beginne schon während der Schwangerschaft mit dem Beckenbodentraining, um deinen Körper auf die Geburt vorzubereiten. Aber auch nach der Geburt solltest du weiterhin regelmäßig trainieren, um deinen Beckenboden in Form zu halten.

Und denk daran, dass das Beckenbodentraining nicht nur zur Prävention von Geburtsverletzungen wichtig ist, sondern auch zur allgemeinen Gesundheit deines Körpers beiträgt. Also nimm dir die Zeit für diese Übungen – dein Körper wird es dir danken!

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