Wieder schwanger nach einer traumatischen Geburt

Nicht jede Geburt verläuft wie gewünscht, unkompliziert und ist voller Glück geprägt. Nein, nicht selten erleben Frauen die Geburt ihres Kindes sogar als traumatisch und leiden unter dieser schmerzhaften Erfahrung. Oftmals führt die Erfahrung eines Geburtstrauma sogar dazu, dass eine weitere Schwangerschaft vermieden wird. Doch auch wenn eine erneute Schwangerschaft eintritt, ist diese häufig schon von Beginn an durch Ängste vor der Geburt geprägt.


In diesem Blogartikel schreibt unsere Expertin Julia Berg, Psychologin und Tramatherapeutin, wie Du es schaffen kannst, deiner Geburt auch nach einem traumatischen Erlebnis mit Freude entgegen zu blicken. Dabei gibt sie Dir einen persönlichen Einblick in ihre eigene Geschichte und zeigt Dir die 5 Schlüssel, wie deine nächste Geburt besser werden kann:


Geschwisterkind nach Geburtstrauma

Sechseinhalb Jahre ist es nun her, dass ich meine Tochter – mein erstes Kind – geboren habe. Sechseinhalb Jahre, in denen sehr viel passiert ist und sich die Sicht auf ihre Geburt komplett gewendet hat.


Wo früher Versagensgefühle waren, ist jetzt Klarheit.

Wo ich mich als schwach gesehen hatte, sehe ich nun meine Stärke.

Wo ich mich überrumpelt fühlte, sehe ich mittlerweile meine klaren Grenzen.

Wo ich früher Angst vor einer weiteren Geburt hatte, ist jetzt Vertrauen in meinen Körper.


Doch beginnen wir einmal von vorn: Nach der Geburt meiner Tochter hatte ich mir geschworen: Das mache ich nicht noch einmal. Noch eine Geburt – ohne mich. Es war fruchtbar gewesen, ich hatte darunter gelitten und zwischenzeitlich sogar gedacht, ich müsste sterben. So schlimm war ihre Geburt für mich. Auch, wenn von außen betrachtet alles ganz harmlos verlaufen war. Keiner hatte mich bemitleidet oder überhaupt angesprochen, dass diese Geburt wohl sehr schlimm für mich gewesen sein musste.


Niemand hatte es gesehen. Nur ich. Und ich fühlte mich unverstanden.


Zweieinhalb Jahre danach war ich wieder schwanger. Gewollt. Mein Kinderwunsch war mittlerweile größer als die Angst vor der erneuten Geburt. Doch mit der Freude über den positiven Test kamen heftige Ängste auf: Noch einmal eine Geburt! Ich fragte mich, wie soll ich das schaffen?!


Wieder schwanger nach Geburtstrauma

In mir rasten die Gedanken über die verschiedenen Optionen:

  • Ein Wunsch-Kaiserschnitt, um all das zu umgehen?

  • Noch mal ein Geburtsvorbereitungskurs?

  • Augen zu und durch – in der Hoffnung, dass diesmal alles besser werden würde?


Voller Fragenzeichen und Ängste startete ich in diese zweite Schwangerschaft.


Was in großer Unsicherheit startete, endete mit einer kraftvollen und wunderbaren Geburt meines zweiten Kindes, meines Sohnes. Was für ein Erlebnis: Ich wusste nun, ich kann gebären. Ich wusste außerdem, dass eine schöne Geburt nicht nur Glück ist oder von der Hebamme abhängt, sondern welche Macht ich selbst hatte, diese Geburt mit zu gestalten.

Was in großer Unsicherheit startete, endete mit einer kraftvollen und wunderbaren Geburt meines zweiten Kindes, meines Sohnes.


Wie kann die nächste Geburt besser werden?


Heute gebe ich meine Erkenntnisse und meine Erfahrungen an andere Frauen weiter. Gepaart mit meinem Wissen als Psychologin und meiner Erfahrung aus über 200 Beratungen von Frauen nach belastender Geburt unterstütze ich Frauen bei der Frage: Wie kann die nächste Geburt besser werden?


Glück, der richtige Geburtsort, eine perfekte Hebamme, ganz viel medizinisches Wissen, Kontrolle über alle Abläufe – Früher hätte ich vermutet, dass vor allem diese Dinge eine Geburt wirklich schön machen.


Heute weiß ich, dass diese Dinge kaum mehr als „nice to have“ sind. Aus meiner Sicht sind sie keinesfalls die Schlüssel zu einer guten Geburt.


Eine gute Geburtsumgebung kannst du dir überall schaffen. Du musst eben wissen wie.


Eine wundervolle Hebamme kann Gold wert sein. Doch ist es nicht SIE, die dein Kind gebärt, sondern DU und DEIN Körper.


Kontrolle ist das Gegenteil des Loslassens, der Hingabe, die wir zur Geburt brauchen. Unter diesen Gesichtspunkten wird die klassische Aufklärung im Geburtsvorbereitungskurs hinfällig.


Geburt ist ein physiologischer Prozess, den du nur zum Teil bewusst steuern kannst. Vielmehr liegt die Fähigkeit, zu gebären, in deinem Körper. Er macht das schon wunderbar allein, wenn er dabei bestmöglich unterstützt wird. Der Knackpunkt liegt letztlich darin zu wissen, wie du deinen Körper beim Gebären unterstützt. Insbesondere nach einer traumatischen Vorerfahrung.


Eine wundervolle Hebamme kann Gold wert sein. Doch ist es nicht SIE, die dein Kind gebärt, sondern DU und DEIN Körper.

Meine wichtigsten Schlüssel dazu habe ich dir hier zusammengestellt:


Schlüssel Nummer 1: Aufarbeiten und Loslassen

Ich kann es nicht oft genug sagen: Der erste und wichtigste Blick in der Vorbereitung einer schönen Geburt nach einer schweren geht zurück, statt nach vorn: Die Aufarbeitung dessen, was geschehen ist, ist locker die halbe Miete der Vorbereitung der nächsten Geburt.


Die Aufarbeitung bringt nämlich mit sich, dass du im Idealfall genau verstehen kannst, was zuvor passiert ist. Außerdem wirst du deine belastenden Gefühle im Zusammenhang mit der vorangegangenen Geburt auflösen (wie Wut auf das Personal oder Selbstvorwürfe). Tust du das nicht, besteht die Gefahr, dass diese alte Geschichte dich immer wieder einholt und für Ängste und Verunsicherung sorgt.


Die Aufarbeitung der traumatischen Geburt (zumindest so, wie ich sie begleite) bringt mit sich, dass du ganz genau erkennen wirst, warum die Geburt genauso ablief. Du wirst verstehen, warum dein Körper so reagiert hat und was dir vielleicht im Weg stand. Die Erkenntnisse daraus sind die absolute Grundlage dafür, dass du genau weißt, was du beim nächsten Mal anders machen kannst.


Ich erlebe es in der Aufarbeitung immer wieder: Je besser die du Geburt und deinen Körper verstehst, desto mehr wirst du mit dem, was passiert ist, Frieden schließen und deinem Körper wieder vertrauen.


Schlüssel Nummer 2: Vertrauen und Hingabe

Hier schließt sich direkt der zweite Schlüssel für eine gute Geburt an: Vertrauen. Loslassen. Hingabe.


Geburt ist ein sehr verletzlicher Prozess, in dem wir uns öffnen – sowohl körperlich als auch emotional-mental. Für diese Öffnung braucht es Vertrauen: Vertrauen in dich und deinen Körper. Dies findest du dann wieder, wenn du deine belastende Vorerfahrung gründlich aufarbeitest.


Außerdem braucht es auch eine vertraute Umgebung, in der du fühlst, dass du dich wirklich bedingungslos öffnen kannst. Dies kannst du zum Beispiel fördern durch eine sehr vertraute Geburtsumgebung (wie zuhause), eine bis zwei liebevoll unterstützende Begleitperson(en) (Partner/-in, Freundin, Beleghebamme, Doula) und allem, was du liebst und dir guttut (wie gute Düfte, dein Lieblingskuscheltier, schöne Musik, warmes Wasser, etc.).


Angst vor der Geburt

Schlüssel Nummer 3: Wissen und Verstehen

Warum ist eine vertrauensvolle Umgebung so wichtig? Weil dein Körper in dieser Umgebung bestimmte Hormone ausschüttet, die sehr geburtsförderlich sind, wie Oxytocin (geburts- und bindungsfördernd) und Endorphine (Glückshormone, die wie körpereigene Schmerzmittel wirken). Je mehr, desto besser für den Geburtsprozess und dein Wohlergehen bei der Geburt.


Dieses und weiteres Wissen um den Geburtsprozess ist es, was du brauchst, um deine Geburt wirklich unterstützen zu können. Denn dann verstehst du in der Tiefe, was dir und deinem Körper beim Gebären hilft und was ihm schadet und kannst dich selbst so ideal unterstützen.


Ebenso hilft Wissen enorm bei so vielen Entscheidungen, die du während deiner Schwangerschaft und Geburt treffen darfst: Du darfst über jede Untersuchung und Intervention selbst entscheiden. Eine Beckenendlage ist kein Grund für einen Kaiserschnitt und der errechnete Geburtstermin ist kein Fälligkeitsdatum deines Babys. Wusstest du das?


Schlüssel Nummer 4: Techniken zum Gebären

Die Geburt startet. Ob mit spürbaren Kontraktionen oder dem Aufgehen der Fruchtblase. Und dann bricht Unruhe aus, vielleicht sogar Panik: Was soll ich tun?! Vielleicht kommen auch Ängste hoch: Wird es wie beim letzten Mal?!


Diese Panik ist das Gegenteil von Schlüssel Nummer 2 (Vertrauen und Hingabe) und somit sehr schlecht für den Geburtsprozess. Du kannst dich von Anfang an unterstützen, indem du weißt, welche Techniken du jetzt anwenden darfst.


Tiefen und bewussten Atem, aktive Entspannung, Fokus auf dich und deinen Körper.Diese Techniken solltest du unbedingt schon in der Schwangerschaft geübt und verinnerlicht haben, um sie dann bei der Geburt ganz automatisch abrufen und umsetzen zu können.


Das wird dir eine tiefe Sicherheit geben und etwas, das du aktiv tun kannst, statt die Geburt gefühlt passiv über dich ergehen zu lassen. Diese Techniken erlernst du in der Tiefe in meiner Vorbereitung nach einer belastenden Geburt und durch gute mentale Geburtsvorbereitungskurse.


Schlüssel Nummer 5: Strategien, um dich zu verankern

Die Techniken, von denen du eben gelesen hast, sind allgemeingültig für jede Geburt. Doch was nach einer trauamtischen Geburt besonders wichtig ist, sind Strategien, um dich an das Hier und Jetzt zu erinnern.


Denn wenn du schon eine unschöne Geburtserfahrung gemacht hast, ist es sehr wahrscheinlich, dass du früher oder später während der Geburt an einen Punkt kommst, an dem du dich zurückversetzt fühlst.


Es können sich alte Ängste und Gefühle von damals zeigen, die dich so empfinden lassen, wie bei deiner schwierigen Geburtserfahrung. Das kann eine große Hilflosigkeit in dir auslösen und die Geburt tatsächlich ins Stocken bringen und für Komplikationen sorgen.

Doch was nach einer trauamtischen Geburt besonders wichtig ist, sind Strategien, um dich an das Hier und Jetzt zu erinnern.

Das A&O in solch einer Situation ist ein richtig guter Mutmacher: Sei es eine liebevolle Begleitperson, seien es Affirmationen oder ein anderer Anker: Wichtig ist die ganz klare und deutliche Erinnerung: Jetzt ist es anders. Du kannst es. Diesmal entscheidest du neu.


Zusammenfassung

Du kannst gebären. Nach einer traumatischen Geburt ist eine schöne und kraftvolle Geburt möglich. Wenn du die Schlüssel beachtest, die ich dir in diesem Blogpost gegeben habe, kannst du das steuern, was in deiner Hand liegt. Und das ist tatsächlich der Großteil der Geburt.


Schwanger nach traumatischer Geburt

 

Geburtstrauma
Julia Berg

Julia Berg ist Psychologin und Traumatherapeutin und Mama von 2 Kindern. Ihre Mission ist es Frauen nach einer traumatischen Geburt zu helfen ihre emotionalen Wunden aufzulösen und sie dabei zu unterstützen an den eigenen Erfahrungen zu wachsen.


Ihre Angebote zur Aufarbeitung einer traumatischen Geburt und Vorbereitung auf ein nächste, kraftvolle Geburt findest Du hier:


Homepage: www.julia-berg.com

Instagram: @geburtsgefluester






Du möchtest mehr zum Thema Geburtstrauma erfahren?

Dann hör Dir unsere neue Podcastfolge mit Julia an!



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