Wie Du Geburtsverletzungen vorbeugen kannst!

Auch wenn Niemand gerne darüber spricht, sind Geburtsverletzungen nach einer vaginalen Geburt häufig. Verletzungen können innerhalb des gesamten Geburtskanals auftreten und reichen von kleineren Scheidenrissen bis hin zu höhergradigen Dammrissen oder auch einem Dammschnitt. Diese können im Wochenbett zu Beschwerden führen können. Durch die richtige Vorbereitung und besondere Maßnahmen unter der Geburt kann das Risiko für Geburtsverletzungen minimiert werden.

In diesem Artikel erfährst Du welche Arten von Geburtsverletzungen es gibt und wie Du diesen bestmöglich vorbeugen kannst.



Welche Arten von Geburtsverletzungen gibt es?


#1 Schürfungen

Als Schürfung bezeichnet man eine oberflächliche Läsion, die nicht stark blutet. Viele Frauen spüren nach der Geburt, dass sich die Vagina oder Damm „wund“ anfühlt ohne dass dies von außen sichtbar ist. Unter der Geburt wird die Vagina und der Damm extrem gedehnt und belastet. Dabei kann es zu kleinen Faserrissen kommen, die als Schürfungen bezeichnet werden und sehr empfindlich sind. Das Gute, diese Verletzungen müssen heilen meist binnen weniger Tage von selbst komplett ab und müssen nicht genäht werden.

#2 Rissverletzungen

Platzt das Gewebe durch die starke Dehnung unter der Geburt auf, bezeichnet man dies als Rissverletzung. Eine Rissverletzung ist überall dort möglich, wo das Kind sich seinen Weg entlang bahnt. Es kann demnach zu Verletzungen des Muttermundes, der Scheidenwände, Schamlippen, Klitoris, Damm und After kommen. In schweren Fällen kann auch der Enddarm und die tieferliegende Beckenbodenmuskulatur betroffen sein. Die häufigsten Rissverletzungen sind allerdings an der Scheide und am Damm zu finden.

Beim Dammriss werden je nach Ausdehnung 4 verschiedene Schwergrade unterschieden:


Dammriss Grad 1: Verletzung der Haut und NICHT der Muskulatur am Damm


Dammriss Grad 2: Verletzung der Haut UND Muskulatur am Damm


Dammriss Grad 3: Verletzung umfasst auch den Schließmuskel am After


Dammriss Grad 4: Verletzung des Schließmuskels UND der Darmschleimhaut

Eine Rissverletzung wird in der Regel mittels einer Naht direkt nach der Geburt versorgt werden, um die Blutung zu stillen und eine bestmögliche Abheilung zu ermöglichen. Die Naht wird meist in einer örtliche Betäubung und mit selbstauflösendem Nahtmaterial durchgeführt. Alternativ kann auch bei einer liegenden PDA genäht werden. In Ausnahmefällen muss ein hochgradiger Dammriss im OP versorgt werden.

#3 Hämatome

Wird das Vaginal- und Dammgewebe während der Geburt stark gedehnt, können dabei kleine Blutgefäße beschädigt werden. In Folge dessen kann Blut ins umliegende Gewebe fließen und damit zu einer Schwellung führen: Ein Bluterguss (Hämatom) entsteht. Gelegentlich sind die Hämatome von Außen nicht sichtbar, können aber trotzdem Beschwerden machen. Vor allem auf Druck, wie zum Beisoiel beim Sitzen oder auf der Toilette können Hämatome schmerzhaft sein. Das Blut wird im Verlauf vom Körper selbst wieder resorbiert und die Schwellung und Schmerzen nehmen ab. Diese Umgebungsreaktion kann je nach Größe des Hämatoms nur wenige Tage bis aber auch Wochen spürbar sein.


#4 Schnittverletzungen

In seltenen Fällen wird unter der Geburt ein Dammschnitt durchgeführt, bei dem unter einer Presswehe das Dammgewebe seitlich eingeschnitten wird, um den Geburtsvorgang zu beschleunigen und sehr schweren Geburtsverletzungen vorzubeugen. Ein Dammschnitt wird wie ein Dammriss direkt nach der Geburt mittels einer Naht versorgt. Die Abheilung verläuft meistens ebenso komplikationslos wie nach einem Dammriss, wird aber von einigen Frauen als unangenehmer empfunden. Auch nach einer Bauchgeburt bleibt eine Schnittverletzung: Die Kaiserschnittnarbe. Sie sollte ebenso im Wochenbett beobachtet und gepflegt werden.


Wann wird ein Dammschnitt (Episiotomie) durchgeführt?


Viele Frauen haben Angst vor einem Dammschnitt und möchten diesen möglichst umgehen. Tatsächlich war ein Dammschnitt noch vor ein paar Jahren ein häufiges Vorgehen, um schwerwiegende Dammrisse und deren Spätfolgen zu verhindern. Da es aber auch unter Dammschnitten zusätzlich zu Rissverletzungen kommen kann und meist mehr Blutgefäße und Muskulatur verletzt wird, ist dieses Vorgehen mittlerweile sehr umstritten. Deshalb wird heutzutage eine Episiotomie nur noch in besonderen Fällen durchgeführt.


Leider läuft nicht jede Geburt nach Plan und wie im Bilderbuch. Kommt es in der Austreibungsphase zu Komplikationen, die ein Risiko für das Baby oder die Mutter darstellen kann das Eingreifen von Außen notwendig sein. Um den Geburtsverlauf zu beschleunigen kann in diesem Falle ein Dammschnitt zur Entlastung des kindlichen Kopfes durchgeführt werden. Häufig ist dies der Fall, wenn es zu einer Saugglocken- oder Zangenentbindung kommt. Ob ein Dammschnitt durchgeführt wird, entscheidet sich also erst unmittelbar vor der Geburt. Der Schnitt selber wird von den Frauen weniger als ein Schmerz sondern ein Gefühl der plötzlichen Entlastung nach vorherigen extremen Spannungsgefühl wahrgenommen. Deshalb ist vor dem Schnitt auch keine örtliche Betäubung erforderlich.



Kann man Geburtsverletzungen verhindern?


Schon alleine die Vorstellung von Verletzungen im Intimbereich, geschweige denn nach der Geburt genäht werden zu müssen macht vielen Frauen Angst. Schön wäre es doch dem Ganzen aus dem Weg zu gehen und das Wochenbett ohne zusätzliche Beschwerden durch Geburtsverletzungen genießen zu können. Es kommt auch nicht bei jeder vaginalen Entbindung zwangsläufig zu Geburtsverletzungen. Natürlich gibt es auch Faktoren die beim Entstehen von Geburtsverletzungen nicht beeinflusst werden können. So ist ein Dammriss deutlich wahrscheinlicher beim ersten, als beim 5. Kind. Auch die Beschaffenheit des eigenen Gewebes und die Länge des Dammes ist entscheidend. Ebenso spielt die Größe und Haltung/Lage des Kindes eine große Rolle für die Entstehung von Geburtsverletzungen, wie auch unvorhersehbare Geburtskomplikationen, die ein Eingreifen notwendig machen.

Und dennoch gibt es viele Dinge, die man tun kann, um das Risiko für Geburtsverletzungen selbst zu minimieren.



Unsere 5 Tipps zur Vorbeugung von Geburtsverletzungen:

1. Nimm Kontakt zu deinem Damm und deiner Intimzone auf!

Der Dammbereich und die Vagina sind oftmals Körperbereiche die mit viel Scham behaftet sind. Die wenigsten Frauen haben sich schon einmal intensiv mit dieser Zone ihres Körpers befasst und finden die Vorstellung sich unter der Geburt komplett zu öffnen sehr unangenehm. Dabei ist es wichtig, dass Du genau dann auch entspannt sein kannst und auf deinen Körper vertraust. Setze Dich doch einmal vor den Spiegel und betrachte deinen Scheidenausgang und deinen Damm. Spiele mit deinem Beckenboden und beobachte was passiert. Fasse deinen Damm an und schau Dir seine Anatomie genau an, dann kannst Du auch erkennen, dass der Scheidenausgang einer kleinen Kapuze ähnelt, die sich stark dehnen kann. Auch Dammassagen können hilfreich sein, um zu spüren wie sich das Gewebe während der Massage verändert und weicher wird. All dies hilft dabei unter der Geburt zu entspannen, so dass das Gewebe nachgeben kann.

2. Nutze die richtige Gebärposition!

Die Geburtsposition hat einen großen Einfluss auf die Größe des Geburtskanals und auch die Spannung und Ausrichtung des Dammes. Aufrechte Gebärpositionen wie z.b. halb sitzend haben außerdem den Vorteil, dass die Schwerkraft unterstützend genutzt werden kann. Auf dem Rückenliegend und mit angewinkelten Beinen ist die Spannung auf den Damm hingegen besonders groß und der Beckenausgang zudem etwas verkleinert. Besonders geeignet sind Positionen wie der Vierfüßlerstand oder die Seitenlage, denn dort ist der Beckenboden kaum unter Spannung und der Damm kann gut beobachtet werden.

3. Vertraue deinem eigenen Körper und Gebärinstinkt!

Heutzutage wird oft sehr früh in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen, was das Auftreten von Geburtsverletzungen deutlich häufiger macht. Zudem vertrauen viele Frauen nicht mehr auf ihren eigenen Gebärinstinkt, sondern geben die Verantwortung an die betreuende Hebamme ab und warten unter der Geburt auf Anweisungen. Wichtig ist es dem Gewebe Zeit zu geben sich zu dehnen und nicht zu früh aktiv mitzupressen. Gerade in der Schlussphase, wenn der Damm unter höchster Spannung steht, gilt es lieber noch einmal die Wehe zu veratmen, auch wenn dies kaum auszuhalten zu scheinen mag. Bei diesem sogenannten “Crowning” wird der Introitus (Scheideneingang) maximal aufgespannt und der Kopf wie eine Krone umschlossen – meist spürbar als ein sehr starkes Brennen. Durch eine kurze Pause kann sich das Gewebe aufdehnen und das kindliche Köpfchen dann über den Damm gleiten. Unterstützend können in dieser Phase warme Kompressen, etwas Öl oder auch schwarzer Kaffee sein, um die Durchblutung nochmals anzuregen.

4. Löse deine Ängste bereits vor der Geburt auf!

Dass unsere Psyche eine große Auswirkung auch auf unseren Körper hat ist unumstritten. Angst führt im Körper zu einer Anspannung. Bezogen auf die Geburt wird unter Anspannung zum einen der Schmerz stärker wahrgenommen, was wiederum die Angst bestärken kann (Angst-Spannungs-Schmerz-Zyklus), zum anderen wird der Geburtskanals durch Verkrampfungen verengt. Entspannung ist vor allem auch für den Beckenboden entscheidend, denn er ist alleine durch den Geburtsvorgang sehr belastet und kann sich unter Anspannung weniger ausdehnen und ist damit verletzungsanfälliger. Deshalb kann es sehr hilfreich sein sich seinen Ängsten in der Schwangerschaft zu stellen und diese aufzulösen. Aber Achtung, hinter Geburtsängsten oder Ängsten vor Geburtsverletzungen können tiefe Wunden stecken, bei dessen Bewältigung professionelle Hilfe hilfreich sein kann.

5. Trainiere deinen Beckenboden!

Der Beckenboden wird unter der Geburt maximal gedehnt. Um das Risiko für Verletzungen zu minimieren sollte der Beckenboden in diesem Zustand möglichst entspannt sein. Dafür ist es wichtig sich bereits in der Schwangerschaft mit dem Beckenboden auseinander zu setzen und zu lernen zu wissen, wie der Beckenboden richtig entspannt wird. Mit einem regelmäßigen Beckenbodentraining gelingt es den Beckenboden auch unter der extremen Belastungssituation der Geburt zu kontrollieren und im richtigen Moment zu entspannen.

Wie wirken Himbeerblättertee, Dammmassage & Co?


Lange galt Himbeerblättertee als ein Wundermittel in der Geburtsvorbereitung. Es soll Wehen anregen, den Geburtsverlauf verkürzen und die Durchblutung des Gewebes anregen, lockern und weich machen. Doch das ist der Knackpunkt. Wer von Natur aus schon zu weichem Bindegewebe neigt, der sollte sehr vorsichtig sein mit dem Trinken von Himbeerblättertee, denn dann kann das Bindegewebe auch zu weich, ja sogar porös werden und Geburtsverletzungen fördern, die sich im Anschluss sogar schlechter medizinisch versorgen lassen, weil das Gewebe schwieriger zusammenhält. Es gilt auf jeden Fall nicht zu früh (ab der 37.SSW) und nicht zu viel vom Tee zu trinken. Wissenschaftliche Belege für die positive Wirkung von Himbeerblättertee gibt es nicht.

Auch die Wirkung der Dammmassage als Schutz vor Geburtsverletzungen ist nicht bewiesen. Was jedoch nicht heißt, dass die Kontaktaufnahme mit dem Damm nicht hilfreich sein kann für die Geburt und indirekt auch Geburtsverletzungen vorbeugen kann. Denn durch das massieren des Dammes wird deutlich spürbar welche Kraft in diesem Gewebe steckt, wie es sich mit der Zeit der Massage verändert und weicher wird. Schamgefühl und Ängste können abgebaut werden. All das kann helfen die Geburt bewusster zu erleben und besonders am Ende langsam und mit Vertrauen den kindlichen Kopf zu gebären.

Ähnliches gilt für den Dammtrainer “Epi-No”, ein Ballon, der in der Scheide langsam aufgepumpt wird und so das Gewebe bereits vor der Geburt dehnungsfähiger machen soll. Studien zeigen keinen Schutz vor Geburtsverletzungen doch durch das Training findet ein bewusstes auseinandersetzen mit dem Geburtskanal und der Intimzone statt.

Auch das Heublumendampfbad ab der 38. SSW ist ein beliebtes Tool zur Vorbeugung von Geburtsverletzungen. Die Dämpfe regen die Durchblutung an und sollen den Beckenboden und das Genitalgewebe weicher und geschmeidiger machen. Wissenschaftlich be3wiesen ist diese Wirkung nicht. Allerdings empfinden viele Frauen die Dampfbäder als wohltuend und entspannend und auch das allein kann ein guter Grund für ein schönes Ritual sein.


Du möchtest wissen, wie Du Geburtsverletzungen pflegen solltest?


Dann hör Dir unbedingt unsere Podcastfolge mit der lieben Hebamme Maren Leerhoff an!



Wir hoffen, dass Du Dich nun gut informiert und vorbereitet fühlst. Denke immer daran jede Frau, jeder Körper und jede Geburt ist unterschiedlich, es gibt Dinge, die können wir nicht planen und dennoch ist keine Vorbereitung umsonst! Suche Dir für Dich die Tipps raus, die Dir zu sagen und mit denen Du Dich wohlfühlst! Wir wünschen Dir eine wundervolle Schwangerschaft eine tolle Geburtsvorbereitung und eine schöne komplikationslose Geburt.

Deine MamAcademy





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